Wo steht Spiekeroog heute – und wo kommen wir her?

Veröffentlicht am 6. August 2026 um 08:00

Christiane Andreesen-Ahsendorf ist Insulanerin, selbstständig in der Hotellerie und engagiert sich als Vorstand des Inselmuseums. 

Wenn wir heute auf Spiekeroog blicken, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert? Und was war – sagen wir mal so bummelig – vor über 40 Jahren anders?

Eines kann man sicherlich nicht behaupten: Dass unsere Insel unter Stillstand leidet. Auch wenn dieser Eindruck gelegentlich in Leserbriefen vermittelt wird, entspricht er nicht der Realität.

In den vergangenen Jahren ist viel passiert. Im Westerloog wurde durch EDEKA erheblich investiert, auch die ehemaligen Räumlichkeiten von Feinkost Sanders wurden modernisiert. Das sorgt für eine bessere Nahversorgung mit zwei attraktiven Supermärkten und vermutlich auch für zusätzliche Arbeitsplätze. Gleichzeitig wird unsere Insel durch Zuzug und familiäres Wachstum bereichert.

Das Sanders Quartier entsteht, mit dem neuen Hotelrahmenplan konnte Eike ein wichtiges Projekt anstoßen und auch die NSB hat kräftig investiert, um unser touristisches Angebot zukunftsfähig zu halten. Wer den Vergleich mit Baltrum, Langeoog oder Wangerooge zieht, erkennt, dass Spiekeroog in vielen Bereichen hervorragend aufgestellt ist. Auch der anfangs umstrittene WattnExpress war ein wichtiger Schritt zu mehr Unabhängigkeit unserer Inselanbindung.

Natürlich sind diese Projekte nicht mit den visionären Entscheidungen von Hans Wiethorn vor über 40 Jahren vergleichbar. Der ortsnahe Hafen, die Stilllegung der Inselbahn, die Pferdebahn oder die Erschließung des Melksetts gaben Spiekeroog einen enormen wirtschaftlichen Schub. Heute geht es weniger um große Sprünge, sondern darum, das Erreichte zu sichern und sinnvoll weiterzuentwickeln.

Dabei müssen wir auch bestehende Probleme angehen. Subventionierte Grundstücke sind teilweise nicht mehr in den Händen derjenigen, für die sie gedacht waren. Gleichzeitig ist unsere Schiffsflotte in die Jahre gekommen. Ihre Erneuerung ist dringend notwendig – wirtschaftlich, ökologisch und im Hinblick auf das veränderte Reiseverhalten. Diesen Weg der NSB möchte ich unterstützen.

Wie sichern wir die wirtschaftliche Zukunft?

Für mich gilt: Wo heute Gewerbe betrieben wird, muss auch künftig Gewerbe möglich bleiben. Dafür habe ich mich im Gemeinderat eingesetzt – obwohl ich als Gewerbetreibender selbst davon betroffen bin.

Außerdem müssen wir Handwerk und Gewerbe wieder stärker auf der Insel ansiedeln. Der geplante Handwerkerbereich auf dem Wilbers-Gelände kann dafür ein wichtiger Baustein sein. Ebenso sollten wir prüfen, ob Flächen wie die drei kaum genutzten Tennisplätze hinter der Sporthalle künftig sinnvoller genutzt werden können.

Ein weiteres Thema ist unsere Hotellerie. Spiekeroog verfügt im Vergleich zu den anderen Ostfriesischen Inseln über die geringste Hotelkapazität. Gleichzeitig sind Hotels häufig ausgebucht, während Ferienwohnungen leer stehen. Deshalb halte ich ein weiteres Hotel – beispielsweise auf dem Bahnhofsgelände – für eine sinnvolle Ergänzung.

Bezahlbares Eigentum für Insulaner

Besonders wichtig ist mir, dass Menschen, die dauerhaft auf Spiekeroog leben oder hier eine Familie gründen möchten, wieder Eigentum erwerben können. Eigentum schafft Bindung und stärkt unsere Gemeinschaft.

Die Quotierung von 40:60 wird häufig kritisiert. Gleichzeitig zeigt sich am Immobilienmarkt derzeit eine deutliche Stagnation. Unsere Familie konnte vor 27 Jahren mit einem Einkommen und einer Kombination aus Dauerwohnen und Ferienwohnung ein Haus finanzieren. Für viele junge Familien ist das heute kaum noch möglich.

Ich möchte daran arbeiten, dass diese Perspektive wieder Realität wird. Denn eine lebendige Insel braucht nicht nur Gäste – sie braucht vor allem Menschen, die hier dauerhaft leben und ihre Zukunft sehen.