Oliver, Du schreibst, Du möchtest Spiekeroog als attraktiven Wohn- und Arbeitsort für alle weiterentwickeln. Was bedeutet das konkret?
Die Zukunft unserer Insel hängt ganz wesentlich davon ab, ob Menschen hier gut leben und arbeiten können. Jeder Betrieb, jede Bildungseinrichtung und auch die Gemeindeverwaltung suchen heute händeringend nach Fachkräften – das ist auf Spiekeroog nicht anders.
Wenn wir junge Familien, qualifizierte Fachkräfte oder Menschen mit Berufserfahrung für unsere Insel gewinnen wollen, müssen wir mehr bieten als bezahlbaren Wohnraum – auch wenn dieser natürlich eine zentrale Voraussetzung ist. Bei der Kinderbetreuung und der Gesundheitsversorgung haben wir in den vergangenen Jahren bereits wichtige Fortschritte erzielt. Auch unsere Willkommenskultur und die Freizeitangebote haben sich positiv entwickelt. Darauf können wir aufbauen.
Woran denkst Du dabei konkret?
Im besten Fall leben und arbeiten Menschen nicht nur auf Spiekeroog – sie tun beides auch gerne. Wer neu auf die Insel kommt, hat oft zunächst viel Arbeit, wenig Freizeit und kaum soziale Kontakte. Das gilt besonders für Menschen, die aus anderen Ländern oder Kulturkreisen zu uns kommen.
Hier können wir als Dorfgemeinschaft noch mehr unterstützen. Gleichzeitig stehen auch die Arbeitgeber unter großem Druck. Deshalb sollten Gemeinde, Betriebe, Vereine und Ehrenamtliche noch enger zusammenarbeiten.
Ein weiterer wichtiger Baustein ist, dass Menschen auch nach dem Berufsleben gerne auf Spiekeroog bleiben. Ältere Mitbürgerinnen und Mitbürger leisten einen enormen Beitrag für unser Dorfleben. Sie bringen Erfahrung mit, sind gut vernetzt und engagieren sich häufig ehrenamtlich. Unser Inselmobi ist dafür ein hervorragendes Beispiel – und zugleich ein Vorbild für weitere Projekte.
Ich möchte deshalb unser Willkommensprogramm weiter ausbauen und die Gemeinwesenarbeit dauerhaft stärken. Denkbar wäre beispielsweise eine digitale Informationsplattform für Menschen, die über einen Arbeitsplatz auf Spiekeroog nachdenken oder gerade neu angekommen sind. Auch Integrationslotsen, wie sie andere Kommunen mit großem Erfolg einsetzen, könnten eine wertvolle Unterstützung sein.
Trotzdem bleibt doch das Problem des knappen Wohnraums bestehen, oder?
Natürlich. Wohnraum bleibt eine der größten Herausforderungen. Wir haben bereits wichtige Schritte unternommen – etwa mit dem neuen Bebauungsplan –, dürfen in unseren Anstrengungen aber nicht nachlassen.
Mir ist besonders wichtig, dass Menschen nicht nur für ein paar Jahre zum Arbeiten auf die Insel kommen, sondern hier dauerhaft eine Perspektive finden: eine Familie gründen, Eigentum oder langfristige Sicherheit schaffen und ihren Ruhestand auf Spiekeroog verbringen können. Deshalb halte ich Erbbaurechtsmodelle weiterhin für den richtigen Weg.
Gleichzeitig sollten wir mutig neue Wohnformen ausprobieren. Die Hermann-Lietz-Schule hat gezeigt, dass kreative Ideen funktionieren können. Tiny-Häuser, Mehrgenerationenwohnen oder Modelle wie Haus-Splitting bieten Chancen, zusätzlichen Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig unsere gewachsene Dorfstruktur zu erhalten.