Stefanie, Du sprichst Dich für neue Wege der Tourismusfinanzierung und stärkere Kooperationen aus. Was kann Spiekeroog daraus entwickeln?
Der Tourismus ist die wirtschaftliche Grundlage unserer Insel und gleichzeitig eine Gemeinschaftsaufgabe. Viele Akteure profitieren von einer starken Destination – von Gastgebern, Gastronomie und Handel bis hin zur öffentlichen Hand. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Qualität, Infrastruktur, Nachhaltigkeit und Marketing.
In vielen Destinationen gibt es freiwillige Finanzierungsmodelle, bei denen touristische Akteure gemeinsam mit der öffentlichen Hand Verantwortung übernehmen. Dabei geht es um transparente, zweckgebundene Beiträge für konkrete Projekte. Beispiele wie die freiwillige Marketingumlage in Rostock, der Tourismusfonds in Nürnberg oder die Tourismuspools in Hamburg zeigen, dass solche Modelle erfolgreich sein können, wenn sie einen klaren Nutzen für alle Beteiligten schaffen.
Für Spiekeroog sehe ich darin eine Chance, gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren ein eigenes, inselspezifisches Modell zu entwickeln. Dabei sollte auch die Gruppe der Zweitwohnungsbesitzer mitgedacht werden. Es kann auf Dauer nicht die Lösung sein, dass ausschließlich die ortsgebundenen Unternehmen, die hier ganzjährig Arbeitsplätze sichern und wirtschaftliches Risiko tragen, die finanzielle Verantwortung übernehmen. Eine faire Beteiligung sollte alle einbeziehen, die von einer attraktiven und gut entwickelten Insel profitieren.
Ziel muss sein, die Nordseebad Spiekeroog GmbH und Gemeinde finanziell zu entlasten und dadurch mehr Handlungsspielraum zu schaffen – zum Beispiel für eine zukunftsfähige Personalstruktur und die strategische Weiterentwicklung der Schifffahrt.
Ein weiterer wichtiger Baustein sind gezielte Kooperationen mit Unternehmen, die zu unserer Insel und unseren Werten passen. Spiekeroog steht für Natur, Nachhaltigkeit, Qualität und Entschleunigung – Werte, die auch für viele Unternehmen zunehmend relevant sind. Denkbar sind Partnerschaften beispielsweise in den Bereichen nachhaltige Mobilität, Gesundheit, Umwelt- und Bildungsprojekte oder gemeinsame Marketingaktivitäten.
Wichtig ist mir: Es geht nicht um beliebiges Sponsoring, sondern um langfristige Partnerschaften mit echtem Mehrwert für beide Seiten. Dafür braucht es gute Netzwerkarbeit, klare Ziele und Transparenz. Eine starke Destination entsteht dort, wo Kommune, Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam Verantwortung übernehmen.